SarkomKonferenz

Forschungspreis der Sarkomkonferenz 2017 ging an Dr. Eleni Tomazou von der St. Anna Kinderkrebsforschun in Wien/Österreichler von der Pathologie der Universität Erlangen. (2)

Geschrieben von Karin Kastrati

Preis gemeinsam von der Patientenorganisation Das Lebenshaus e.V. und der GISG (German Interdisciplinary Sarcoma Group e.V.) gestiftet

Eleni Tomazou Forscherpreis 2017Anlässlich der 7. Sarkomkonferenz in Berlin wurde auch heuer wieder der mit 5.000 Euro dotierte Forschungspreis   verliehen. Eine Jury entschied sich für die am 30. Januar 2017 in Nature Medicine von einem internationalen Forscherteam unter der Leitung von Dr. Eleni Tomazou veröffentlichte Arbeit „DNA methylation heterogeneity defines a disease   spectrum in Ewing sarcoma”. Die von der Sarkomkonferenz dafür ausgezeichnete Dr. Tomazou konnte aus   Mutterschaftsgründen den Preis leider nicht persönlich entgegennehmen und wurde von ihrem Mentor und   wissenschaftlichen Leiter der St. Anna Kinderkrebsforschung, Prof. Heinrich Kovar, welcher auch die Studie in einem Kurzvortrag präsentierte, in Berlin vertreten. Vertreter von Das Lebenshaus e.V. und GISG überreichten die Siegerurkunde.

Krebs entsteht als Folge von genetischen Veränderungen, die eine Körperzelle zu uneingeschränktem Wachstum umprogrammieren. Auch die Vielzahl verschiedener Erscheinungsformen und Krankheitsverläufe von Krebserkrankungen werden allgemein mit der Zahl und Heterogenität von Veränderungen im Erbgut der Tumorzelle in Verbindung gebracht. Krebs bei Kindern weist in der Regel jedoch nur wenige genetische Defekte auf. Dies lässt vermuten, dass für die Vielfalt und das unterschiedliche klinische Verhalten von Kinderkrebserkrankungen zusätzliche Mechanismen  verantwortlich sein könnten. Die in „Nature Medicine“ veröffentlichte und von der Sarkomkonferenz 2017 ausgezeichnete Studie beschreibt nun erstmals epigenetische Heterogenität am Beispiel eines aggressiven Knochentumors bei Kindern und Jugendlichen. Diese von Wissenschaftlern der St. Anna Kinderkrebsforschung und des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin in Wien gemeinsam angeführte Studie eröffnet neue Möglichkeiten in der personalisierten Behandlung von Krebs bei Kindern.

Krebserkrankungen bei Kindern unterscheiden sich grundlegend von denen bei erwachsenen Patienten. Während typische Tumorerkrankungen des alternden Menschen, wie Brust und Darmkrebs, tausende von variablen Mutationen in ihrem Erbgut aufweisen, finden sich bei den meisten Krebserkrankungen des Kindesalters nur wenige solcher Defekte. Dennoch sind Kinderkrebserkrankungen von einer hohen Diversität geprägt, die den Verlauf und das Therapieansprechen der Erkrankung bestimmen. Daher stellt sich die Frage, wie die Therapie am besten an die biologische Heterogenität von genetisch einheitlichen Tumoren anpasst werden kann.

Um diese wichtige Frage zu adressieren, untersuchte ein Forscherteam aus Österreich, Frankreich Deutschland und Spanien unter der Leitung von Dr. Eleni Tomazou das Ewing Sarkom, einen sehr bösartigen Tumor des Knochens und der Weichteile bei Kindern und Jugendlichen. Genetische Defekte konnten die Heterogenität dieser Erkrankung nicht erklären. Als die Forscher jedoch eine epigenetische Kartierung der individuellen Tumoren von Patienten mit Ewing Sarkom vornahmen, entdeckten sie weitreichende, bisher unbekannte Unterschiede.

Dabei stützten sich die Wissenschaftler auf die DNA-Methylierung als das am besten untersuchte epigenetische Merkmal. Das Team identifizierte nicht nur eine epigenetische Signatur, welche das Ewing Sarkom von allen anderen Krebserkrankungen deutlich abgrenzt, sondern fand auch zahlreiche Unterschiede zwischen den Patienten, ja sogar zwischen den einzelnen Zellen ein und desselben Tumors. Typischerweise folgten die einzelnen Sarkome einem zweidimensionalen epigenetischen Krankheitsspektrum: Zum einen war dieses auf die Reprogrammierung der Tumorzellen durch die auslösende genetische Veränderung zurückzuführen. Zum anderen spiegelte das epigenetische Spektrum die Ausprägung der Ähnlichkeit individueller Tumoren zu undifferenzierten Stammzellen oder differenziertem Muskelgewebe wieder. Diese Ergebnisse weisen auf möglicherweise unterschiedliche Stadien der Herkunftszellen der Erkrankung hin.

Mittels neuer bioinformatischer Werkzeuge, die der Erstautor der Arbeit, Nathan Sheffield, entwickelte, identifizierte das Forscherteam auch epigenetische Heterogenität innerhalb desselben Tumors. Diese war am stärksten in Patienten ausgeprägt, bei denen die Erkrankung bereits gestreut und zu Metastasen geführt hatte.

Diese neuen Ergebnisse zur Biologie des Ewing Sarkoms bilden die Basis für die Entwicklung von epigenetischen Biomarkern für eine verlässliche Vorhersage des Krankheitsverlaufes.

„Im Namen von Frau Dr. Eleni Tomazou und dem gesamten Forscherteam möchte ich mich sehr herzlich bei den Patienten und Vertretern der Organisation Das Lebenshaus e. V.“, sowie bei der German Interdisciplinary Sarcoma Group (GISG) für die Zuerkennung des Preises bedanken. Diese Anerkennung ist für uns eine große Ehre und Freude. Nach zwei Jahrzehnten der Stagnation in der Therapie des Ewing Sarkoms versprechen wir uns neue Impulse für die personalisierte Behandlung der Patienten. Wir sind davon überzeugt, dass die am Ewing Sarkom gewonnenen Erkenntnisse auch für andere Krebserkrankungen mit geringer genetischer Diversität von Bedeutung sind“, so Prof. Kovar für die Preisträgerin nach der Verleihung.

Dr. Eleni Tomazou ist Wissenschaftlerin (Senior Postdoc) in der molekularbiologischen Arbeitsgruppe von Prof. Heinrich Kovar am Forschungsinstitut der St. Anna Kinderkrebsforschung e. V. in Wien. Nach Abschluss des Studiums der Molekular- und Zellbiologie an der Universität Glasgow arbeitete sie am Wellcome Trust Sanger Institute und promovierte 2008 zum Thema „Aberrante Methylierung der Major Histocompatibility Cluster Region als Ursache von Defekten der MHC Klasse I Prozessierung und Präsentation von Antigenen“ an der Universität Cambridge. Danach ging sie nach Boston und forschte 3 Jahre lang am Broad Institut und dem Harvard Stem Cell Institut der Harvard- Universität, wo sie ihr Interesse an der Epigenetik vertiefte. Nach kurzer Tätigkeit beim HLA Diagnostik-Service des Amerikanischen Roten Kreuzes kam sie nach Wien an die St. Anna Kinderkrebsforschung, wo sie seither die Rolle der Epigenetik in der Pathogenese von Sarkomen im Kindes- und Jugendalter erforscht.

St. Anna Kinderkrebsforschung: Die St. Anna Kinderkrebsforschung entwickelt und optimiert diagnostische, prognostische und therapeutische Strategien zur Behandlung an Krebs erkrankter Kinder und Jugendlicher durch das Verbinden von Grundlagenforschung mit translationaler und klinischer Forschung. Dabei wird der Schwerpunkt auf die spezifischen Besonderheiten kindlicher Tumorerkrankungen gelegt, um den jungen Patientinnen und Patienten die bestmöglichen und innovativsten Therapien zur Verfügung stellen zu können. Das Forschungsinstitut der St. Anna Kinderkrebsforschung wurde vor fast 30 Jahren ins Leben gerufen und beherbergt 11 Forschungsgruppen. Mehr Informationen unter http://science.ccri.at und www.kinderkrebsforschung.at

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