Sarkom Konferenz

Forschungspreis der Sarkomkonferenz 2016 ging an Prof. Dr. Abbas Agaimy und Prof. Dr. Florian Haller von der Pathologie der Universität Erlangen.

Geschrieben von Karin Kastrati

Preis erstmals gemeinsam von der Patientenorganisation Das Lebenshaus e.V. und der GISG (German Interdisciplinary Sarcoma Group e.V.) gestiftet

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Vom 17. – 19. März 2016 trafen sich die deutschen Sarkomexperten zu ihrer Jahreskonferenz in Berlin. Etwa 170 an Sarkomen Interessierte - verschiedenster Fachbereiche - kamen zusammen, um in drei Tagen über 50 Vorträge aus den Bereichen Fortbildung, Forschung und Qualitätsmanagement zu hören. Anlässlich dieser 6. Jahresveranstaltung in Berlin, wurde auch wiederholt der mit 5.000 Euro dotierte Forschungspreis der Sarkomkonferenz verliehen.

Eine Jury entschied sich für die 2015 im American Journal of Pathology publizierte Arbeit „Recurrent mutations within the amino-terminal region of β-catenin are probable key molecular driver events in sinonasal hemangiopericytoma“ von Prof. Dr. Abbas Agaimy und Prof. Dr. Florian Haller (Pathologie des Universitätsklinikums Erlangen). Die beiden Preisträger stellten ihre Arbeit gemeinsam in einem Kurzvortrag vor und Vertreter von Das Lebenshaus e.V. und GISG überreichten die Siegerurkunde.

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Von links nach rechts: Markus Wartenberg (Das Lebenshaus e.V.), Prof. Dr. Eva Wardelmann (Münster), Prof. Dr. Abbas Agaimy (Erlangen), Prof. Dr. Peter Hohenberger (Mannheim), PD Dr. Peter Reichardt (Berlin-Buch), Prof. Dr. Florian Haller (Erlangen), Susanne Gutermuth (Das Lebenshaus e.V.)

 

Bei Tumorerkrankungen wird grundsätzlich zwischen gutartigen (= benignen) und bösartigen (= malignen) Geschwülsten (= Tumoren) unterschieden. Bei den von den Binde- und Stützgeweben ausgehenden Weichteiltumoren werden die bösartigen Tumore als Sarkome bezeichnet.  Im Gegensatz zu den viel häufigeren Geschwülsten der Organe (= Karzinome) gibt es bei Weichteiltumoren noch eine weitere Gruppe der sogenannten lokal aggressiven Tumoren. Diese Geschwülste zerstören durch ihr Wachstum lokal das Gewebe, können jedoch keine Tochtergeschwülste (=Metastasen) absetzen.  Der häufigste Weichteiltumor mit lokal aggressiven Verhalten ist der Desmoid Tumor, der auch „Aggressive Fibromatose“ genannt wird. Desmoide sind durch Mutationen im β-Catenin-Gen gekennzeichnet. Prof. Agaimy und Prof. Haller konnten in verschiedenen Arbeiten die Bedeutung der β-Catenin-Mutation für die Morphologie und Prognose verschiedener Weichteiltumoren darstellen. Zudem konnte von den beiden Pathologen aus Erlangen erstmalig die β-Catenin-Mutation in einem seltenen Weichteiltumor der Nase und Nasennebenhöhlen gefunden werden (sogenanntes sinunasales Hämangioperizytom oder auch Glomangioperizytom). In der Zukunft können diese Erkenntnisse möglicherweise für die Prognoseabschätzung und auch Therapieplanung von lokal aggressiven Weichteiltumoren mit β-Cateninmutation verwendet werden.

Prof. Agaimy hierzu: „Die lokal-aggressiven Weichteiltumoren (z. B. Desmoid Tumore) stellen sowohl für den Pathologen als auch für den Kliniker eine diagnostische und therapeutische Herausforderung dar. Wir hoffen, mit der Bedeutung der β-Catenin-Mutationsanalyse einen Baustein für eine bessere Prognoseabschätzung und Therapieplanung von bestimmten lokal-aggressiven Weichteiltumoren identifiziert zu haben.“

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Das Lebenshaus e.V. mit den beiden Preisträgern. Von links nach rechts: Markus Wartenberg (Bereichsleiter GIST / Sarkome Das Lebenshaus e.V.), Prof. Dr. Florian Haller, Prof. Dr. Abbas Agaimy, Susanne Gutermuth (Vorstand Sarkome Das Lebenshaus e.V.)

 

Der Forschungspreis der Sarkomkonferenz ist der Wissenschaftspreis Knochentumore und Weichteilsarkome und wird zu gleichen Teilen von der GISG German Interdisciplinary Sarcoma Group – GISG  und der Patientenorganisation für GIST/Sarkome in Deutschland  Das Lebenshaus e.V. gestiftet. Der Preis richtet sich an WissenschaftlerInnen und ÄrztInnen, die sich auf dem Gebiet der translationalen Forschung der Knochentumoren und Weichteilsarkome durch maßgebliche Forschungsbeiträge hervorgetan haben. Hier gilt es junge Forscher zu berücksichtigen und zu motivieren. Aber auch WissenschaftlerInnen und ÄrztInnen sind angesprochen, die sich während ihrer Laufbahn in besonderem Maße mit wesentlichen Aspekten der Knochentumore und Weichteilsarkome beschäftigt und sich für deren Diagnostik und Therapie eingesetzt haben.

„Wir freuen uns sehr über den Forschungspreis der Sarkomkonferenz 2016 und fühlen uns sehr geehrt. Wir bedanken uns bei den Patienten und Vertretern der Organisation „Das Lebenshaus e. V.“, sowie bei der German Interdisciplinary Sarcoma Group (GISG). Wir hoffen mit unserem Konzept der gemeinschaftlichen Untersuchung von Morphologie und Molekularpathologie ein Beispiel aufzeigen zu können, wie durch die Bündelung unterschiedlicher Erfahrungen und Wissensstärken eine Verbesserung der Patientenversorgung erzielt werden kann.“ so Prof. Haller für die beiden Preisträger nach der Verleihung.

Unter www.sarkomkonferenz.de und www.lh-sarkome.org können sich interessierte WissenschaftlerInnen und ÄrztInnen bereits über den Forschungspreis der Sarkomkonferenz 2017  informieren. Diese wird vom 16. bis 18. März 2017 wieder in Berlin stattfinden. Einreichungsschluss für den Award 2017 ist:  Freitag, 24. Februar 2017. Eingereicht werden können wissenschaftliche Arbeiten, die zum Zeitpunkt der Einreichung noch nicht oder innerhalb der letzten 12 Monate veröffentlicht wurden. Die Prüfung und Bewertung der eingesandten Arbeiten erfolgt durch ein mehrköpfiges Gutachter-Gremium, welches sich aus den Initiatoren der Sarkomkonferenz zusammensetzt.

Mehr Infos online über:
www.sarkomkonferenz.de Sarkomkonferenz / Forschungspreis 2017
www.gisg.de GISG (Deutsche Sarkom-Studiengruppe)
www.daslebenshaus.org Patientenorganisationen Das Lebenshaus e.V. GIST/Sarkome
www.sos-desmoid.de Patientenorganisationen SOS Desmoide

 

Über die Preisträger:

Prof. Dr. Abbas Agaimy ist leitender Oberarzt und stellvertretender Direktor des Institutes für Pathologie am Universitätsklinikum Erlangen und Professor für Pathologie. Nach dem Studium für Humanmedizin in Khartum (Sudan) hat er seine Ausbildung als Pathologe in Nürnberg, Amberg, und Berlin erhalten. Seine Spezialgebiete sind die Morphologie und Molekularpathologie von Sarkomen sowie Karzinomen des Gastrointestinaltraktes und der Kopf-Halsregion.

Prof. Dr. Florian Haller ist Oberarzt für Pathologie und Professor für diagnostische Molekular-pathologie am Institut für Pathologie des Universitätsklinikums Erlangen. Nach dem Studium der Humanmedizin und Forschungs- und Arbeitsaufenthalten im Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg sowie der Pathologie in Göttingen und Freiburg forscht und arbeitet Prof. Haller seit 2011 in Erlangen. Er leitet eine Arbeitsgruppe zur Identifizierung neuer diagnostischer, prognostischer oder prädiktiver molekularer Marker an soliden Tumoren, mit Schwerpunkten im Bereich von Gastrointestinaler Stromatumoren (GIST), Sarkomen und Lungenkarzinomen. Seit August 2014 ist Prof. Haller auch Leiter der Gewebebank am Comprehensive Cancer Center (CCC) Erlangen.

Über die Pathologie in Erlangen:

Das Institut für Pathologie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen existiert bereits seit 1862. Heute ist das Institut für Pathologie ein hochmodernes diagnostisches Institut mit über 85 Mitarbeitern, davon mehr als 30 Ärzte und Naturwissenschaftler. Am Pathologischen Institut in Erlangen wird die gesamte pathologische Diagnostik des Universitätsklinikums Erlangen sowie von über 30 umliegenden Einsendern durchgeführt. Jedes Jahr werden ca. 40.000 Präparate morphologisch und immunhistochemisch befundet, sowie ca. 2.500 molekularpathologische Untersuchungen durchgeführt und ca. 3.000 komplexe Konsilfälle aus dem Gesamtspektrum der Pathologie mit Schwerpunkt auf Weichgewebstumoren, Uropathologie und Kopf-Hals-Pathologie begutachtet. Am Institut für Pathologie in Erlangen wird das gesamte Spektrum der modernen Pathologie von Mikroskopie, Immunhistochemie, Elektronmikroskopie und modernen molekularen Methoden vorgehalten.

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